28 April 2024

Zusammenarbeit im Betrieb: Formelle und informelle Gruppen

Im Rahmen ihrer Tätigkeit werden Führungskräfte mit den unterschiedlichen Gruppen konfrontiert. 


In der Organisationspsychologie und Soziologie wird grundlegend zwischen zwei Arten der Gruppenstruktur unterschieden: der formellen und der informellen Gruppe. Diese Differenzierung hilft zu verstehen, wie Menschen innerhalb von Organisationen oder Gesellschaften zusammenarbeiten und interagieren.

Formelle Gruppen

Formelle Gruppen werden in den Betrieben zusammengestellt, um ein bestimmtes Ergebnis / Betriebszweck zu erreichen oder optimale, sachorientierte Lösungen zu erarbeiten. Formelle Gruppen zeichnen sich dadurch aus, dass sie bewusst geplant und gezielt eingesetzt werden. Ihr Bestehen ist stark ergebnisorientiert, da sie meist zur Erfüllung spezifischer Aufgaben innerhalb eines größeren Systems dienen. Die Zielsetzung oder die konkrete Aufgabenstellung wird dabei in der Regel von außen vorgegeben, beispielsweise durch eine Unternehmensführung oder eine Ausbildungsleitung.

Innerhalb dieser Struktur sind die Verhaltensweisen und Rollen der Mitglieder weitgehend normiert. Das bedeutet, dass Erwartungen an die einzelnen Personen sowie deren Verantwortungsbereiche extern festgelegt sind. Typische Beispiele für solche Gruppen sind Auszubildende in einem Betrieb, die Mitarbeiter einer bestimmten Abteilung, Projektteams oder Teilnehmer an einer organisierten Bildungsmaßnahme.

Informelle Gruppen

Innerhalb bzw. parallel zu formellen Gruppen häufig entstehen informelle Gruppen, deren Mitglieder sich innerhalb der formellen Gruppen unterstützen, spezifische und/oder persönliche Informationen austauschen oder persönliche Ziele verfolgen (Fahrgemeinschaften).

Informelle Gruppen bilden sich spontan und auf einer freiwilligen Basis. Sie entstehen nicht durch eine Anordnung von oben, sondern aufgrund persönlicher Bedürfnisse oder sozialer Gemeinsamkeiten der beteiligten Personen. Hierbei spielen Sympathie, gemeinsame Interessen oder geteilte Werte eine zentrale Rolle.

Ein wesentliches Merkmal der informellen Gruppe ist die Selbstorganisation. Die Gruppe verteilt ihre Rollen und Aufgaben intern und regelt ihr Zusammenleben eigenständig, ohne dass externe Vorgaben greifen. Beispiele hierfür sind Freundeskreise und Cliquen, Freizeit- und Hobbygruppen, selbstorganisierte Lerngemeinschaften oder auch Fahrgemeinschaften.

Führungskraft kann erkennten, dass in ihrer Abteilung informelle Gruppen bestehen, wenn ihre Mitglieder: 
1. ähnliche Sprache (Begriffe, Ausdrücke usw.) haben, 
2. erkennbare Verhaltensmuster haben bzw. gleiches Verhalten zeigen; 
3. häufige Kontakte untereinander haben; 
4. einheitliche Kleidung tragen; 
5. gleiche Normen teilen bzw. ähnliche Ansichten haben; 
6. erkennbare Rollenverteilung zeigen.

Dynamiken und Auswirkungen informeller Strukturen

Obwohl informelle Gruppen oft parallel zu formellen Strukturen existieren, bringen sie eigene Vor- und Nachteile mit sich.

Zu den positiven Aspekten zählt eine oft unkomplizierte Abwicklung von Arbeitsvorgängen. Durch die persönliche Nähe unterstützen sich die Mitglieder gegenseitig und tauschen Informationen meist schneller aus als auf dem offiziellen Dienstweg. Zudem lassen sich kleinere Konflikte in einem informellen Rahmen oft problemfreier beilegen, da die soziale Bindung als Puffer fungiert.

Allerdings bergen informelle Strukturen auch Risiken. Es besteht die Gefahr von unkontrolliertem Handeln, das den offiziellen Zielen entgegenstehen kann. Eine starke Cliquenbildung kann zur Abschottung gegenüber anderen Personen oder Gruppen führen. Zudem verbreiten sich innerhalb informeller Netzwerke leichter fehlerhafte Informationen oder Gerüchte. Auf der individuellen Ebene kann zudem ein erheblicher Gruppenzwang entstehen, der Druck auf die einzelnen Mitglieder ausübt, sich den informellen Normen unterzuordnen.

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