26 April 2024

Betriebswirtschaft: Werkstattfertigung

Das Konzept der Werkstattfertigung beschreibt ein Organisationsprinzip in der Produktion, bei dem Maschinen und Arbeitsplätze mit gleichartigen Verrichtungen räumlich in Werkstätten zusammengefasst werden. Im Gegensatz zur Fließfertigung orientiert sich der Produktionsprozess hierbei nicht an einem festen Linienweg, sondern das Werkstück wandert flexibel zwischen den verschiedenen Fachabteilungen wie Dreherei, Fräserei oder Montage.


Bei der Werkstattfertigung werden Arbeitsplätze und Maschinen nach Verrichtungen (Funktionen / Verfahren) zusammengefasst (z.B. alle Drehmaschinen an einem Ort).

Beispiel: Eine Möbelfabrik, in der Zuschnitt, Bohren, Lackieren und Montage jeweils in eigenen Werkstätten stattfinden. Handwerksbetriebe nutzen Werkstattfertigung, um Einzelstücke oder kleine Serien von Produkten herzustellen.

Flexibilität und Arbeitsumfeld

Ein wesentliches Merkmal dieser Fertigungsform ist die hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Kundenwünsche. Da die Maschinen nicht starr hintereinander angeordnet sind, können verschiedene Produkte problemlos parallel oder in wechselnder Reihenfolge gefertigt werden. Dieser häufige Wechsel führt dazu, dass die Tätigkeiten für die Mitarbeiter sehr abwechslungsreich gestaltet sind. Die Beschäftigten sind weniger monotonen Abläufen ausgesetzt, da sie mit unterschiedlichen Werkstücken und Anforderungen konfrontiert werden. Zudem zeichnet sich der Betrieb durch eine hohe Ausfallsicherheit aus. Sollte eine Maschine defekt sein, kann die Arbeit oft an einer baugleichen Maschine in derselben Werkstatt fortgeführt werden, wodurch der Gesamtbetrieb störungsfrei bleibt.

Herausforderungen in der Produktivität

Trotz der hohen Flexibilität bringt die Werkstattfertigung gewisse Nachteile in der Effizienz mit sich. Die Produktivität ist im Vergleich zu hochgradig automatisierten Verfahren geringer, was vor allem an den längeren Durchlaufzeiten der Produkte liegt. Da die Arbeitsteilung weniger stark ausgeprägt ist und die Werkstücke oft zwischen weit auseinanderliegenden Werkstätten transportiert werden müssen, entstehen zeitintensive Transportwege. Dies führt nicht nur zu Verzögerungen, sondern erfordert auch einen erhöhten Platzbedarf. Es müssen ausreichend Flächen für Transportwege sowie Lagerplätze für Zwischenprodukte bereitgestellt werden, damit die logistischen Abläufe zwischen den Stationen wie Bohren, Schleifen oder Fräsen bewältigt werden können.


Der Weg eines Werkstücks durch die Produktion ist bei der Werkstattfertigung individuell und kann komplexen Pfaden folgen. Ein typischer Ablauf beginnt beispielsweise mit dem Drehen, woraufhin das Teil zur Fräserei transportiert wird. Von dort kann es zum Schleifen weitergeleitet werden oder nochmals eine andere Station wie das Bohren durchlaufen. Diese ungebundene Reihenfolge ermöglicht es, auch komplizierte Bearbeitungszyklen abzubilden, bei denen Werkstücke mehrfach zu bestimmten Stationen zurückkehren, bevor sie in der finalen Montage fertiggestellt werden.

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